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  Der baltische Weg 22.11.2017 11:05 (UTC)
   
 
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Längste Menschenkette aller Zeiten:
Der baltische Weg zur Freiheit
 

Erinnerung an den Hitler-Stalin-Pakt
von Petra Schirren 



Am 23. August 1989, erlebte das Baltikum eine unvergessliche Bekundung des Unabhängigkeitswillens: Auf den 600 Kilometern zwischen Reval, Riga und Wilna( Vilnius) bildeten weit über eine Million Litauer , Letten und   Esten die längste Menschenkette aller Zeiten. 
Damals der Protest  erreichte gegen den genau vor einem halben Jahrhundert unterzeichneten Molotow-Ribbentrop-Pakt (auch als Hitler-Stalin-Pakt bekannt) seinen Höhepunkt. Die Menschen fassten sich an den Händen und beschworen ihren Willen, die letztlich auf den Sommer 1939 zurückgehende Unfreiheit zu beenden. Unzählige Kerzen brannten für die nationale Wiedergeburt.


In einem Aufruf der im "Baltischen Rat" zusammengeschlossenen Volksfronten konnte man folgenden Appell an die Nachbarländer lesen: "Aus der Asche des Zweiten Weltkrieges sind überall neue Dörfer, Städte und Staaten entstanden – doch die drei baltischen Staaten (...) liegen noch immer darnieder. Habt ihr kein Gefühl dafür, dass wir nicht unter euch sind? (...) Wir werden als verlorene Söhne betrachtet, doch wir selbst haben uns nie verlorengegeben.
Lasst uns einander die Hände reichen und auf dem gemeinsamen Weg voranschreiten: Der ‚Baltische Weg‘ – das ist der Weg Europas, der ‚Baltische Weg‘ – das ist der Weg der Befreiung der letzten Kolonien Europas, der ‚baltische Weg‘ – das ist der Weg zur Errichtung unseres gemeinsamen Hauses! Wir sind bereit, wir gehen schon voran!" 


Nur ein paar Monate später, am 24. Dezember 1989, bestätigte der Oberste Sowjet – quasi als Weihnachtsgeschenk an die baltischen Völker – die Existenz der bis dahin geleugneten Geheimen Zusatzprotokolle zum Molotow-Ribbentrop-Pakt, in denen Litauen ,Estland und Lettland der sowjetischen "Interessensphäre" zugewiesen wurden. Diese seien "juristisch unbegründet und ungültig", so hieß es. 


Doch die Verurteilung der auf dem Abkommen basierenden Okkupation durch die Rote Armee blieb aus. Sie hatte im Oktober 1939 mit der Besetzung von Militärbasen ihren Anfang genommen und im August 1940 mit der offiziellen Einverleibung in die UdSSR abgeschlossen worden. 


Die weit über das Baltikum hinausgehende Bedeutung des Umbruchs im Baltikum liegt in seiner Signalwirkung für andere Rebellionen gegen das Sowjetimperium. Die Massenbewegung der Litauer, Letten und Esten,  hatte wesentlich früher begonnen als die "Samtene Revolution" in der Tschechoslowakei oder die Demonstrationen in der DDR im Herbst 1989. 
Bereits 1986 tauchten in estnischen Zeitungen Unmutsäußerungen gegen die Russifizierung auf. Im Folgejahr begannen die Kundgebungen gegen den zerstörerischen Phosphorit-Abbau. 


Auch in Litauen verbanden sich ökologische und nationale Bewegung. Hauptärgernis waren die von den Moskauer Behörden geplante Ölförderung im Schelf der Ostsee mit wahrscheinlich katastrophalen Folgen für die Kurische Nehrung sowie der angekündigte Bau eines Kernkraftwerkes vom Typ Tschernobyl in Ignalin (Ignalina). 600 000 Menschen unterzeichneten einen Aufruf, diese Pläne sofort zu stoppen. 


Größere Proteste gegen den Molotow-Ribbentrop-Pakt gab es in den baltischen Ländern bereits am 23. August 1987. Monate später lieferten sich freiheitsliebende Letten in Riga und Libau anlässlich des 69. Jahrestages der Proklamation der Unabhängigkeit am 18. November 1918 Strassenschlachten mit den Sicherheitskräften.
Die entscheidenden Weichen wurden dann im Sommer und Herbst 1988 gestellt: Riesige Demonstrationen leiteten die eigentliche "Singende Revolution" ein, und im Oktober formierten sich die rasch an Einfluss gewinnenden "Volksfronten". Mit der Revaler Erklärung vom 14. Mai 1989 formulierten sie offen das Ziel der "staatlichen Souveränität".

Quelle : "Das Ostpreussenblatt"


 
 

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